Was schenkt man…?

Was schenkt man jemanden, der schon alles hat?

Wenn man viele Jahre verpartnert ist, fällt es mit den Jahren zunehmend schwerer, an gute Geschenkideen zu kommen. Irgendwann hat man schon alles durch: Socken, Pyjamas, Haustiere, Autos, Haushaltsgegenstände, Gold, Diamanten, Häuser. Und wie langweilig ist das denn bitte, wenn man jedes Jahr zum Geburtstag ein neues Auto bekommt? Ach…schon wieder? Schatz, stell es einfach zu den anderen 23.

Frauen von Männern mit Segelbooten haben es da einfacher im Leben.
Sie haben immer ein höchst willkommenes Geschenk in petto.
H.
Auf dem Weg zum Boot, auf dem Boot und nach dem Boot ist immer viel zu verstauen. So wurden in diesem Fall diverse Täschchen als Geschenk ausgesucht. Als „Special“ alle mit der Segelnummer des Geburtstagskindes.

Ein wirklich tolles und nützliches Geschenk.

Wickeltasche hoch 3

Eine ganz liebe und auch schon langjährige Kundin erwartet Nachwuchs.Ein Doppelpack macht sich in den nächsten Tagen auf Reisen, zusätzlich zu einem bereits vorhandenen Pampersrocker. Also stand wieder ein spezieller Spezialauftrag an: Gewünscht war eine Wickeltasche. Eine groooooooße Wickeltasche. Mit Fächern für Feuchttücher, Cremes, Wechselklamotten und Tüdeldü. Gleichzeitig sollte die Tasche aber trotzdem quergetrennt sein für Mamas eigenen persönlichen Kram.
Das Ganze dann aus robustem Segel, innen mit beschichteter Baumwolle und softer strapazierfähiger Gurt aus Sicherheitsgurt (trägt 1000 Kilo Last…müsste reichen).
Da Mom-of-three die Tasche gerne in ihrer raren kinderfreien Zeit als Badetasche oder Einkaufstasche nutzen möchte, sollten zwei kürzere Träger dran, zum bequemeren tragen. Die dunkelblaue „3“ steht für die Anzahl der Kinder.
 
Und wieder mal möchten wir dieses Spezialauftrag am liebsten selbst behalten. Die Tasche hat (in meinen Augen) die perfekte Grösse, denn ich bin auch immer mit viel Gepäck unterwegs. Herr Kunterbunten witzelt immer, wann könne mit dem Inhalt meiner Handtasche locker spontan 3 Wochen campen gehen, ohne zu Verhungern und zu Verdursten. Selbst Sonnencreme und Sonnenbrillen für alle Familienmitglieder wären vorhanden. Nun ja… Dann wäre das doch erst recht DIE perfekte Tasche für mich ♥
 
Ich sollte für mich auch eine nähen.
Unbedingt sollte ich das!

Messengerbag aus Werbebanner

Es gibt so Aufträge, da stehen einem die Schweisstropfen zentimeterdick auf der Stirn, da hat man noch nicht mal angefangen zu nähen, da hat man noch nicht mal angefangen den Stoff anzuschneiden und eigentlich weiss man auch noch garnicht, was man nähen soll.

Kennt jeder Unternehmer.

Schuld ist der Kunde. Denn er beauftragt. Er beauftragt was Wichtiges. Etwas sehr Wichtiges. Etwas, was man nicht verhauen darf. Wo man nur eine Chance hat. So wie in diesem Fall…

Wir wurden von der Handwerkskammer Konstanz beauftragt, eine Tasche für den Neujahrsempfang der HWK und IHK  Konstanz zu entwerfen und zu realisieren, die der Hauptrednerin, der schweizer Botschafterin prall gefüllt mit Bodensee-Spezialitäten überreicht werden sollte. Diese Tasche sollte aus einem ehemaligen Werbebanner der beiden Kammern angefertigt werden.

Der gewählte Ausschnitt war auf dem Banner nur einmal verfügbar. Das gewählte Innenfutter hat grad für EINE Tasche gereicht, ansonsten ist der Innenfutterstoff ausverkauft. War ja klar…

Was man in so einem Fall immer gerne macht: aussitzen, aufschieben bis zur absoluten Deadline…war in diesem Fall schwierig, denn es wurde telefonisch nachgehakt, wann denn das besondere Stück fertig sei … und die Produktionszeit war eh knapp.

Mit Schweissflecken so gross wie Nordamerika und den Kunterbunten-Hühnern im Nacken, die immer gackerten „Versau das bloss nicht! Du hast nur EINEN Versuch“…setzte ich nach einem kurzen Stoßgebet die Schere an. „Du weisst ja schon, dass wir den Stoff nicht mehr haben!“ Ja…danke…habt ihr mir auch nur drölfhundert Mal gesagt. Und jedes Mal, wenn ich die Schere ansetzte, erscholl ein ehrfürchtiges Raunen aus dem Off. Ich konnte so fast nicht arbeiten.

Hat mich auch nur…geringfügig…unter Druck gesetzt.

In den wenigen Pausen, die ich mir gönnte, hyperventilierte ich abwechselnd in eine Haribotüte oder wahlweise in eine Chipstüte. Und manchmal weinte ich auch ein wenig. Aber heimlich. So in mich rein, ihr versteht?!

Aber „jammern hilft nüsch“ hat uns ja schon Muddi beigebracht. Durchatmen und ganz geschmeidig den Auftrag runterrocken. Die einzige Option. Die einzige!

Thank God! Das Endergebnis wurde GROSSARTIG!

Kunde zufrieden, die Hühner applaudierten. Herr Kunterbunten verneigte sich vor Ehrfurcht. Alle klopften mir auf die Schulter, sie wussten ja vorher, dass ich das voll gut mache…bla bla bla…und vertuschten damit, dass sich sonst keiner im Atelier an diesen Auftrag rantraute. Ja…ja…

Finally… Alles gut.

Hari

(Bildquelle:“Tasche mit Blumenstrauss“  Handwerkskammer Konstanz)