Wie ich mal was in China bestellte…

Wann kommt es schon vor, dass der TNT-Bote von zwei völlig hysterisch kreischenden Frauen erwartet wird?

Eine blass, zitternd und in eine Haribotüte hyperventilierend, die andere mit der Tequilaflasche unterm Arm aus der Atelierküche entgegen rennend. Wir waren ihm wohl sehr suspekt…er hat ganz schnell rückwärts gehend die Flucht angetreten. Man hörte ihn sogar die Treppe runter RENNEN.

Nun ja…eigentlich ein ganz normaler Tag hier…a u s s e r…dass wir hier eine Lieferung erwarteten auf die wir 5 Monate hingearbeitet haben, die enorm viel Geld gekostet hat, Nerven, Tränen, Geschrei, Haare raufen und viel viel Tequlia.

Wir haben uns ein eigenes Produkt anfertigen lassen, ganz ganz eigen, eigener Entwurf, eigene Maße. Nach einem Fehlversuch mit einem deutschen Hersteller (deutsche Wertarbeit, pöh!) haben wir uns an einen chinesischen Hersteller gewandt, kein Deal. Der nächste chinesische Hersteller, auch kein Deal usw… immer sehr frustrierend, da so viel Arbeit, ZEIT und Energie in die Verhandlungen gesteckt wurde. Hersteller Nummer 5 erwies sich dann als äusserst vielversprechend. Mit dem kamen wir dann recht schnell ins Geschäft. Geordert wurde eine Testbestellung von über 1000 Clipbügeln. Zollpapiere vorbereitet, Zolltarifnummer rausgesucht, Eori bereit gelegt und gewartet. Und gewartet. Und gewartet.

Und dann kommt dieser Moment, wo man das „go“ gibt und im selben Moment anfängt, Schweissausbrüche zu bekommen: Hoffentlich sind die Bügel nicht golden, hatten die auch nicht inch mit cm verwechselt, was ist wenn…? Ich habe kaum geschlafen die letzten 3 Wochen. Die Hühner rissen derweil Witze, auf meine Kosten natürlich…sollten die Bügel golden sein, könne man ja eine Niederlassung in Osteuropa eröffnen, dort würden goldene Clipbörsen hoch im Kurs stehen. Es wurde erörtert, was man alles mit dem Geld (was ich in deren Augen schon verbrannt hatte, danke fürs Vertrauen, ihr Nasen!) alles hätte anstellen können: Schuhe kaufen bis zum Abwinken, in Urlaub fliegen, ein Boot, ein Flugzeug, ein Ferrari…die wichtigen des Lebens eben. Diese ganze Wartezeit war etwas viel für meine zarten kunterbunten Nerven. Ich habe viel geweint in der Zeit. Echt jetzt. So still und heimlich in mich rein.

Je näher der Liefertermin rückte, desto flauer wurde mein Magen. Ich konnte kaum was bei mir behalten ausser Chips und Schokolade. Meist sass ich jammernd im Atelier, den Kopf zwischen den Knien, abwechselnd geweint, hysterisch gelacht und hyperventilierend in meine Haribotüte geatmet. Ich habe die Haribotüte oft gebraucht, so oft, dass mir sogar angeboten wurde, den Rand mit Schrägband zu Versäumen, fürs Auge, ihr versteht?! Wir waren ein unzertrennliches Duo. Best buddies. Ich und die Haribotüte. Wir haben sogar fast den gleichen Namen.

Ja…dann war es so weit. Es kündigte sich klingelnd vom Tor unten der TNT-Bote an. M., meine Perle ist ja ein wenig boshaft. Das muss man an dieser Stelle schon sagen. Sie packte nämlich das Paket aus, während ich mit meiner Haribotüte beschäftigt war und rief ganz begeistert:“ Guck mal, was für ein schönes GOLD!“

Gold? Haha. Witzig. Nicht!

Inzwischen haben wir unsere wunderschönen perfekten Clipbügel ausgepackt, gestreichelt und nach dem einen, anderen und zur Sicherheit nochmal doppelten Tequila starten wir dann mit der Verarbeitung.

Ende gut…alles gut.

Habt ein schönes stressfreies Wochenende 🙂

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